Factoring

Mit Factoring betreiben Unternehmer Liquiditätsbeschaffung, ohne ständig irgendwelchen Forderungen hinterher laufen zu müssen. Diese werden einfach an den Factor verkauft. In aller Regel handelt es sich dabei um kurzfristige Forderungen, die eine Laufzeit zwischen 30 und 120 Tagen haben. Die Vorgehensweise ist dabei wie folgt: Der Factor, also der Dienstleister, übernimmt für seine Kunden das Mahnwesen, im Gegenzug gibt er auf die ausgehende Rechnung einen Vorschuss. Mit Factoring können somit neben dem Inkasso auch die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen aus dem Unternehmen ausgelagert werden, was wiederum für eine Senkung der Fixkosten im Finanzbereich sorgt.

So läuft Factoring bzw. Forfaitierung ab

Factoring basiert auf einem Ankauf von Forderungen unter Verzicht auf einen Rückgriff gegen den Verkäufer für den Fall eines Zahlungsausfalls und stellt rechtlich gesehen einen Kaufvertrag dar. Im Allgemeinen erfolgt die sofortige Bezahlung durch den Factor von bis zu 90 Prozent der an ihn abgetretenen Forderungen. Dadurch steht das Geld dem Unternehmen sofort wieder zur Verfügung. Interessant ist diese Finanzierungsart vor allem bei der Abwicklung von Exportgeschäften, weil hier der Factor das Exportunternehmen von seinem Kreditrisiko befreit und auf Regressansprüche verzichtet. Je nach Ausgestaltung des Servicevertrages können durch den Factor auch Bonitätsprüfungen oder die Prüfung der Rechnungserstellung durchgeführt werden.

Factoring ist insbesondere wichtig bei Auslandskunden, denn auch hier übernimmt eine Auslandsbank als Factor die Forderungen und sichert somit das wirtschaftliche Risiko des Unternehmens ab. Damit durch die Auslandsbank auch ein absolutes Zahlungsversprechen erfolgt, wird die Zahlung durch Ausstellung von Zahlungswechseln durchgeführt.

Die Vor- und Nachteile von Factoring

Der allgemeine Unternehmensvorteil besteht in der Erhöhung seiner Liquidität, durch diesen Zufluss wird entsprechend die Kreditlinie geschont und die Bilanz entlastet, da buchungstechnisch jetzt eine Umwandlung in ein Bargeschäft vorliegt. Gleichzeitig wird das Kreditrisiko aus den Umsatztätigkeiten eines Unternehmens verlagert, was wiederum zu einer erheblichen Verringerung des Verwaltungsaufwands führt. Wirtschaftliche Risiken, die sich im Rahmen des Länderrisikos ergeben, werden für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit auf den Forfaiteur abgewälzt. Gleichfalls lassen sich auf diesem Wege auch Währungsrisiken vermeiden, wie sie bei Kunden in Nicht-EU-Ländern immer wieder auftreten können.

Für das Unternehmen ist zudem stetige Flexibilität gegeben, weil der Unternehmer so gestellt wird, als würden alle Abnehmer noch am Tag des Rechnungserhalts bezahlen. Ein weiterer Vorteil von Factoring ist die Tatsache, dass es hier kein fixiertes Gesamtlimit gibt wie dies zum Beispiel bei Kontokorrentkrediten der Fall ist. Um die Ausfallquote rechtzeitig zu vermeiden, sollte bereits vor Abschluss eines Kaufvertrags eine forfaitierungswillige Bank gesucht werden, so dass mit dem zukünftigen Abnehmer bereits im Kaufvertrag das Zahlungsmittel „Solawechsel“ vereinbart werden kann. Factoring ersetzt zudem eine Kreditversicherung, denn letztere tritt immer nur für den Fall ein, wenn auch entsprechend Nachweise über die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners vorliegen.

Als Handycap und weniger als Nachteil sehen sich immer noch viele Unternehmen den Befürchtungen ausgesetzt, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, weil man seine Forderungen verkauft. Diese Annahme ist jedoch völlig falsch, denn Factoring wird nicht deshalb unternommen, weil man selber oder der Geschäftspartner in Schwierigkeiten steckt. Richtig ist vielmehr, dass nur gesunde Unternehmen in der Lage sind, Factoring zu nutzen. Denn auch die Factoring-Gesellschaft selbst muss ihr eigenes Risiko in engen Grenzen halten. Problematisch wird vielfach auch die Inkasso- und Mahnwesenübernahme durch die Factoring-Gesellschaft. Der Grund liegt einfach in der persönlichen Beziehung zu wichtigen und langjährigen Kunden. Inflexible Vorgehensweisen und undifferenziert versandte Mahnungen hingegen gefährden oftmals die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Da die Kosten für das Factoring vom jeweiligen Volumen abhängen, muss natürlich auch geprüft werden, ob es sich bei Factoring auch tatsächlich um die wirklich kostengünstigere Alternative handelt. Hierbei helfen Vergleichrechnungen, wobei für die Vorfinanzierung der marktübliche Kontokorrentzins veranschlagt werden muss, hinzugerechnet werden muss dann noch ein Aufschlag in Höhe zwischen ein und zwei Prozent. Werden auch noch das Ausfallrisiko und die Debitorenbuchhaltung mit übernommen, fällt hier ein weiterer Aufschlag von rund fünf Prozent der Forderungen an.